Leere ist Konzentration
In der Tradition des epischen Theaters versteht Bertolt Brecht den Bühnenraum nicht als Abbildung von Wirklichkeit, sondern als bewusst gesetzten Denkraum. Distanz ersetzt Katharsis, Reflexion tritt an die Stelle von Identifikation. Der Raum definiert für die Dauer der Aufführung seine eigenen Gesetze.
Ein reduzierter, ausgeräumter Bühnenraum kann in diesem Sinn Konzentration erzeugen. Leere lenkt den Blick auf Darsteller, Sprache und Handlung. Sie schafft Präsenz, ohne zu erklären. In den Inszenierungen Fremdenzimmer und Die Reise der Verlorenen wird der Raum zur bewussten Setzung: als Ort der Verdichtung, der Erwartung und der Verantwortung des Sehens. In meiner Arbeit – besonders im Schauspiel – ist Leere keine Ästhetik, sondern eine Entscheidung: für Klarheit, Aufmerksamkeit und gedankliche Offenheit.