Musiktheater – Oper · Operette · Musical
Künstlerischer Ansatz
Unabhängig vom visuellen Konzept ist die Arbeit im Musiktheater immer auch eine Auseinandersetzung mit Raum, Akustik und physikalischen Bedingungen. In der Oper werden Stimmen in der Regel nicht verstärkt. Der Theaterraum – häufig als Guckkasten mit Orchestergraben – ist akustisch für die Sängerinnen und Sänger nicht immer günstig. Ein leerer Bühnenraum kann in diesem Zusammenhang problematisch sein. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit Dirigat und musikalischer Leitung ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Das Bühnenbild kann – durch Raumform, Materialwahl und Grad der Geschlossenheit – zur akustischen Unterstützung der Stimmen beitragen. Holz, Metall, Oberflächen und Raumvolumen beeinflussen die Klangprojektion entscheidend. Nicht jeder Raum folgt einer Trichterform, doch jede Setzung ist auch eine physikalische Entscheidung.
In der Operette bestehen ähnliche Anforderungen, wenngleich Stimmen heute zunehmend verstärkt werden. Dies eröffnet zusätzliche klangliche Möglichkeiten und erlaubt den Einsatz von Soundeffekten, ohne die grundlegenden räumlichen Anforderungen an Spiel, Bewegung und Verständlichkeit aufzuheben.
Im Musical sind Stimmen grundsätzlich verstärkt, wodurch der Raum akustisch weniger funktional gebunden ist. Dafür gewinnen Bewegung, Rhythmus und Choreografie an Bedeutung. Der Bühnenraum muss schnelle Abläufe, klare Wege und unterschiedliche Niveaus ermöglichen. Diese Aspekte sind jedoch in allen drei Sparten zentral: im Musical vor allem für Choreografie, in der Oper für Chor und Ballett, in der Operette als Mischung aus beidem. Bodenbeschaffenheit, Übergänge und Höhenstaffelungen sind dabei wesentliche dramaturgische Werkzeuge.
Auch im visuellen Zugang unterscheiden sich die Genres deutlich. In der Oper ist ein hoher Grad an Symbolik möglich. Operette arbeitet stärker mit Leichtigkeit, Konvention und bewusster Oberfläche. Im Musical übernimmt der Raum oft zusätzliche erzählerische Aufgaben und ergänzt Informationen über Figuren und Situationen. Was alle drei Formen verbindet, ist für mich die Musik selbst – sie ist der Ausgangspunkt, der Motor und letztlich der Grund, warum diese Arbeit Freude macht.