DER BESONDERE RAHMEN
Die Seebühne als Open-Air-Spielstätte beginnt lange vor dem ersten Ton. Das Publikum betritt den Zuschauerraum bereits weit vor Vorstellungsbeginn, bei Tageslicht, in Bewegung, im sozialen Austausch. Der Raum ist Bühne, Treffpunkt und Erlebniszone zugleich. Das Bühnenbild muss in dieser Situation Präsenz zeigen, Orientierung geben und zugleich eine Welt eröffnen, die sich im Verlauf des Abends dramaturgisch verdichtet und verwandelt.
Der Bühnenraum wird als Erlebniswelt gedacht, die das Publikum bereits beim Eintreten abholt und zugleich eine klare dramaturgische Entwicklung ermöglicht. Das Bühnenbild muss im Tageslicht bestehen, visuelle Attraktivität entfalten und eine Identifikationsfläche bieten, ohne sich im bloßen Effekt zu erschöpfen.
Die Herausforderung liegt in der Balance: zwischen spielerischer Offenheit und inhaltlicher Führung, zwischen großer Bildwirkung und dramaturgischer Präzision. Der Raum lädt ein, sich zu zeigen, zu verweilen und Teil der Welt zu werden – und führt das Publikum im Verlauf des Abends Schritt für Schritt in eine konzentrierte theatrale Erfahrung. Spektakel wird dabei nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Mittel, Aufmerksamkeit zu bündeln und erzählerische Qualität zu ermöglichen.
Der Bühnenraum ist nicht statisch. Er verändert sich mit Licht, Musik und Handlung. Vom offenen, kommunikativen Raum vor Beginn der Vorstellung verdichtet er sich zu einer klar geführten Bühne, die Handlung und Figuren fokussiert. Diese Verwandlung ist zentraler Bestandteil der Inszenierung.